Lunis war einer meiner Klavierschüler, und er war jemand, der zwar auch klassische Stücke gespielt hat, aber am liebsten moderne Sachen, Popmusik, das, was im Radio läuft. Bei solchen Schülerinnen und Schülern kann ich als Lehrer meine beiden Welten zusammenbringen: die als Musikproduzent und die als Klavierlehrer. Und ab und zu entsteht daraus ein Moment, der für ein Kind einfach unvergesslich bleibt. Bei Lunis war das ganz besonders der Fall.
Ein Welthit auf dem Programm
Lunis' Vater spielt in einer Band, Tisch 7 NullZwo, und die hatte einen großen Auftritt geplant, auf einer Bühne, vor Publikum. Das Besondere: Lunis sollte mitspielen. Am Klavier, mitten in der Band, das Intro und die zentralen Passagen von Narcotic.
Falls Du den Song nicht sofort im Ohr hast: Narcotic ist einer der größten Hits, die je aus Deutschland kamen. Auch wenn er auf Englisch gesungen wird: Ende der Neunziger stand er wochenlang ganz oben in den Charts, in Österreich sogar auf Platz eins, und weltweit ging er millionenfach über die Ladentheke. So ein Lied, das wirklich jeder schon einmal gehört hat, ob er will oder nicht. Und musikalisch ist gerade das Klavier am Anfang kein Selbstläufer, der Rhythmus hat es in sich. Wir haben eine ganze Weile daran gesessen, bis es saß. Aber am Ende hatte Lunis es drauf.
Was Lunis nicht wusste
Und jetzt kommt der Teil, von dem Lunis nichts ahnte. Den Sänger von Liquido kenne ich persönlich. Aus meiner Arbeit als Musikproduzent hatte ich schon Sessions mit ihm, und wir sind bis heute in Kontakt. Irgendwann, während wir übten, dachte ich mir: Was wäre, wenn?
Also habe ich ihm geschrieben. Ich habe ihm die ganze Geschichte erzählt, von Lunis, von dem Auftritt, von der Aufregung, und ihn gefragt, ob er nicht vielleicht ein kurzes Video für ihn aufnehmen könnte. Ein paar aufmunternde Worte hätten mir schon gereicht.
Zwei Minuten, die keiner erwartet hätte
Was dann kam, hat mich wirklich berührt. Der Sänger nahm sich richtig Zeit, es wurden zwei ganze Minuten. Zwei Minuten, in denen er über Lampenfieber sprach, darüber, dass diese Aufregung völlig normal ist und dazugehört, und dass Lunis das großartig machen wird. Ein warmes, persönliches Video, für einen Jungen, den er nie getroffen hat.
In diesem Moment wusste ich als Lehrer genau, was das für Lunis bedeuten würde, lange bevor er es selbst begreifen konnte.
Ich habe das Video an Lunis' Vater weitergeleitet und einfach abgewartet. Lunis hat sich unglaublich gefreut, dass ausgerechnet der Sänger dieses Songs sich für ihn Zeit genommen hat. Das hat den Unterricht so beflügelt, dass wir in der letzten Stunde vor dem Auftritt nochmal richtig Gas gegeben und das Stück weiter verfeinert haben.
Der Moment auf der Bühne
Und dann kam der große Tag. Es gibt eine Aufnahme davon, wie Lunis auf diese große Bühne geht, sich ans Klavier setzt und die ersten Töne von Narcotic spielt. Vor Publikum, mit der Band im Rücken. Und er macht es ganz, ganz hervorragend.
Das Schönste kam noch obendrauf: Das Video hatte offenbar so einen Eindruck hinterlassen, dass die Sängerin der Band auf der Bühne sogar davon erzählt hat. Ein Klavierschüler, ein Welthit, eine Nachricht vom Original, und das alles an einem einzigen Abend.
Warum ich das erzähle
Was diese Geschichte für mich zeigt, ist etwas, das mir als Lehrer wirklich wichtig ist. Ich kann nicht jedem Kind ein Video von seinem Lieblingskünstler besorgen, das wäre kein ehrliches Versprechen. Aber die Bereitschaft, für einen einzelnen Schüler auch mal einen ungewöhnlichen Weg zu gehen, ist mir wichtiger als der einzelne Moment selbst.
Ich bin nicht nur Klavierlehrer, sondern auch Musikproduzent. Über die Jahre habe ich in dieser Arbeit einige Kontakte in der Musikbranche aufgebaut. Und hin und wieder lassen sich diese beiden Welten so verbinden, dass für einen Schüler ein Moment entsteht, den er nie wieder vergisst. Gerade wenn es darum geht, Popmusik zu spielen, kann ich dadurch manchmal ganz anders auf Wünsche eingehen.
Genau das ist der Unterschied, den ich machen möchte. Nicht jede Woche ein Popstar, das wäre albern. Aber die Haltung dahinter: Ich gehe als Lehrer gerne den Extraweg, wenn er einem jungen Menschen die Musik ein Stück näher bringt.
Lunis übrigens spielt bis heute sehr gerne Klavier. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser eine Abend seinen Teil dazu beigetragen hat. Wenn Du erleben möchtest, wie Unterricht sein kann, wenn er über das reine Üben hinausgeht, dann komm doch mal bei uns in der ARTIQ Musikschule in Mainz-Finthen vorbei.